Evolutionsbiologie

Poster: Die Evolution der Tiere

Der obere Bildteil zeigt den Werdegang des Planeten Erde. Bakterien und Archaea sind die frühesten Organismen, aus ihnen entstanden die „Eukaryoten“-Zellen mit Zellkern. Von den ersten Eukaryoten aus entwickelten sich in vielen Evolutionslinien Einzeller, Pflanzen, Pilze, und schließlich die Tiere. Da unsere Betrachtung im Wesentlichen der Evolution der Tiere gilt, sind die ursprünglichsten Tierformen ins Zentrum gestellt. Von ihnen gehen die grundlegenden Evolutionslinien aus, die sich weiter in die Vielfalt des Tierreiches verzweigen, von der wiederum nur die wichtigsten und bekanntesten Tierformen gezeigt sind. Der gesamte Mittelteil der Grafik wird von Konstruktions-Zeichnungen eingenommen. Nach dieser Rekonstruktion müssen Tiere mit solchem Körperbau gelebt haben. Die Linien führen schließlich zu uns bekannten, heutigen oder fossilen Tieren. Sie sind in naturalistischer Weise gezeichnet. Alle sind gleich weit vom Ursprung entfernt und alle sind in ihrer Weise hoch entwickelt. Die traditionelle anthropozentrische, d.h., auf den Menschen bezogene Weltsicht, mit der sich der Mensch an die Spitze eines von unten nach oben, vom Niederen zum Höheren wachsenden Stammbaumes stellt, ist verlassen. 
Seit jeher versuchen Biologen, die Geschichte des Lebens zu ergründen. Physik, Chemie, Geologie, Astronomie und nicht zuletzt die vielen Funde vergangener Lebewesen, der „Fossilien“, haben in den letzten zweihundert Jahren gezeigt, daß die Erde ein Alter von mehr als vier Milliarden Jahren hat, und daß sie und die Lebewesen erheblichen Wandlungen unterlagen und noch unterliegen. Die Wandlungen der Lebewesen, der Organismen, nennen wir organismische Evolution, oder kurz Evolution. Die Erkenntnis, daß es Evolution gibt, wurde durch Darwins Werk „The Origin of Species“ 1859 schlagartig populär, doch war sie in Fachkreisen schon seit Jahrzehnten diskutiert worden. Seither hat die Entwicklung verschiedener Evolutionstheorien, das heißt der Arbeitskonzepte zur Erforschung des Naturphänomens Evolution, zu einem umfangreichen Wissen und Verständnis der Mechanismen und der Antriebe dieses Wandels geführt. Begriffe wie „Mutation, Selektion, Anpassung, Chromosomen, genetische Veränderung, uvm.“ sind heute über die wissenschaftliche Forschung hinaus ins Allgemeingut des Wissens eingegangen. Neben der Erforschung der Mechanismen und Antriebe des Wandels hat das zweite Feld der Evolutionsforschung, nämlich die Pfade der Entwicklung in der Vergangenheit aufzuspüren, keineswegs Schritt gehalten. Große Unsicherheiten bestehen bis in neueste Zeit, wenn es um die Frage geht, wie die grundlegenden Baupläne der Tiere und Pflanzen aus einer gemeinsamen Wurzel entstanden sind. Diese Entwicklungen spielten sich in ferner Vergangenheit ab, und wenn man etwas über diese Vorgänge aussagen will, so müssen sie rekonstruiert werden. Jede historische Forschung rekonstruiert vergangene Abläufe auf Grund von Beobachtungstatsachen, und wenn es um die Geschichte der Organismen geht, so stützen wir uns auf Beobachtungen darüber, wie ihr Körper aufgebaut ist und wie er funktioniert, und wir betrachten die Fossilien und berücksichtigen die enorm langen Zeiträume, in denen sich der Wandel vollzog. Und wir wissen, Organismen sind funktionierende Gesamtgefüge, und nur als solche Gefüge können sie sich allmählich ändern. Wenn wir ihren Wandel darstellen wollen, so müssen wir sie als ganze Gefüge, als Konstruktionen, wahrnehmen. Auf diesem Grundgedanken wurde in den letzten vier Jahrzehnten im Forschungsinstitut Senckenberg ein Arbeitskonzept zur Rekonstruktion der Geschichte des Tierreiches entwickelt. Es wurde als „Frankfurter Evolutionstheorie“ bekannt. Damit war es möglich, den Ursprung des Tierreiches und seine grundlegenden Evolutionsbahnen zu rekonstruieren. Diese Ergebnisse widersprechen in Vielem den traditionellen Ansichten, doch sie werden in eindrucksvoller Weise von den modernsten molekular-genetischen Forschungen bestätigt. Es war unser Bestreben, die Ergebnisse auch in allgemein verständlicher Form zugänglich zu machen.

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